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Spinnakermanöver

Anlegen, Ablegen und anderes, was mit 4 bis 6 Händen einfacher aber nicht unbedingt besser geht...

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jochen
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Spinnakermanöver

Beitrag von jochen » 23. Feb 2004, 19:05

Hallo Leute,
habe einen 8,5 m Kurzkieler (2,8m breit,3,3 to)gekauft und möchte den bei wenig Wind auch gerne mit dem Spinnaker fahren.
Kann mir jemand die Vorgehensweise erklären, wenn möglich schrittweise?
Danke und Gruß
Jochen

Molly
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Beitrag von Molly » 25. Feb 2004, 18:18

Hallo jochen!

1. Spinnaker an Land auslegen, in der Mitte greifen und immer gleichmäßig nachschiebend in den Sack stecken, damit er sich nicht vertörnt.

2. Die drei Enden oben zusammenbinden, damit Du sie immer wieder findest.

3. Spisack auf dem Vordeck festbändseln, auch den Boden, damit der sich beim Setzen des Spis nicht mit abhebt.

Anfänger rollen am Besten die Fock weg, beim Regattasegeln lassen wir die Genua beim Setzen stehen!

4. Spifall anschlagen, Schoten anschlagen, sind meist farblich rot und grün gekennzeichnet.
!!! Die voraussichtliche Luv-Schot unbedingt vor dem Vorstag herführen!!!

5. Spibaum am Topnant etwa waagerecht absenken, Niederholer belegen.

6. Luvschot in der Nähe des Schothorns einpieken. Nicht ins Auge!!!! Den Grund hierfür erkläre ich beim Bergen!

7. Luvschot soweit dichtholen, dass sie nicht gegen das Vorstag drücken kann.

8. Mit dem Boot abfallen - platt vorm Laken - damit der nun zu setzende Spi im Lee des Großsegels gesetzt werden kann.

9. Zügig setzen, damit er unterwegs nicht zu viel Zeit hat, um sich zu füllen.

10. Gewünschten Kurs anlegen und nun den Achterholer (Luvschot) so weit langsam dichtholen, bis das Vorliek einfällt; dann wieder etwas fieren.

11. Mit der Leeschot nun das Segel gut trimmen.

Wird der Wind stärker oder mußt Du mehr anluven, dann den Baum mit dem Niederholer tiefer setzen, damit das Degel flacher wird.



Bergen:

1. Genua oder Fock ausrollen bzw. setzen, damit der Druck aus dem Spi genommen wird oder wieder platt vom Laken abfallen. Genua setzen ist aber wirkungsvoller, und sie stört dich auch nicht.

2. Spi am Unterliek fassen und langsam am Vorstag vorbei aufs Deck ziehen und gleichzeitig möglichst in den Sack stecken. Der Steuermann fiert das Spifall und die Schoten langsam nach

3. Schoten abschlagen und für späteren Gebrauch am Bugkorb anschlagen

4. Jetzt erst den Baumniederholer lösen und Spibaum abschlagen.

Würde der Spibaum im Schothorn eingepiekt oder zwischen Schothorn und einem Knoten, kannst Du den Spi nur bergen, wenn Du erst den Baum wegnimmst! Das kann in stürmischen Phasen zu chaotischen Situationen führen. Meine geschilderte Art haben wir in 10-jähriger Regattazeit immer wieder praktiziert und nie Probleme damit gehabt.

Der Nachteil hierbei ist der, dass der Baum schon mal gelegentlich ein bißchen nach mittschiffs rutscht. Das macht aber nichts!

Habe jetzt mal alles so aus "der Maläng" geschildert und hoffe, dass ich nichts vergessen habe.

Falls mir noch was Wesentliches einfällt, werde ich es Dir noch mitteilen!

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob man in die Spischoten an den Enden Achtknoten machen soll oder nicht. Es gibt gute Gründe dafür, aber auch dagegen.

Wir handhaben es so, dass wir bei mäßigem Wind Knoten machen, damit beim evtl. Ausrauschen der Knoten die Schot hält. Bei stärkeren Winden allerdings lösen wir die Knoten an den Ende, damit wir im Ernstfall die LEE-Schot loswerfen können.

Viele Grüße Molly

jochen
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Beitrag von jochen » 25. Feb 2004, 18:38

Hallo Molly,
wirklich ein großes Dankeschön.
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder mal in Fachbücher geguckt, ob dieses handling irgendwo beschrieben wird. Bin aber nicht fündig geworden.
Deine Antwort ist so klar aufgebaut, wie ich mir das erhofft habe. Toll und danke.
Scheint aber so, dass man doch immer noch ne zweite Person benötigt? Beim Bergen? Allein geht nicht?
Gruß
Jochen

Molly
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Beitrag von Molly » 25. Feb 2004, 18:52

Hallo Jochen!

Nein, allein das ist sehr kompliziert. Mit Selbststeueranlage könnte es evtl. gehen, bei mäßigen Winden. Ich fahre meinen schon mal allein, dann aber ohne Baum. Einfach nur Hochziehen und beim Bergen ziehe ich ihn an der Luvscho einfach aufs Schiff. Es besteht aber die große Gefahr des Zerreißens; außerdem steht der Spi ohne Baum sehr schlecht.

Gruß
Molly

jochen
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Beitrag von jochen » 26. Feb 2004, 11:06

Danke Molly,
Selbststeueranlage habe ich. Werde es bei 2 Windstärken ausprobieren.
Gruß
Jochen

HeinrichDerSeefahrer
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Spi einhand setzen + bergen

Beitrag von HeinrichDerSeefahrer » 29. Jan 2006, 12:08

Ich fahre immer einhand Spi auf meiner 7,6 m-Jeanneau Sangria. Ist auch ohne Autopilot recht unkompliziert zu machen.
Wichtig dabei: gute Vorbereitung des mannövers nach der wirklich feinen liste von Molly.

Meine Voraussetzungen zusätzlich:
1. Das Groß ist mit einem Bullenstander festgesetzt.
2. Das Spifall ist vom cocpit aus zu bedienen, ebenso wie der Spibaumaufholer
3. Bei den Vorbereitungen auf dem Vorschiff ist die Pinne mittschiffs belegt, und das Boot auf einem langsamen Halbwindkurs (durch das weit gefierte Großsegel langsam).
4. ich will mindestens 2 Stunden unter Spi laufen, sonst lohnt sich das Mannöver nicht

Wenn denn auf dem Vorschiff alles klar zum setzen ist (Liste Molly) wird:

1. vor den Wind gedreht.
2. Luvschot (mit Spibaum) ca 1 m vom Vorstag dichtsetzen.
3. Leeschot belegen.
4. Hoch den Spi.
5. etwas anluven, damit er sich füllt. (Macht das Schiff mit belegter Pinne sowieso.)
6. Leeschot soweit fieren, Luvschot dichtsetzen, damit Segelstellung zum Kurs passt... (that's it.)
Auf meinem Kahn segelt es sich damit genauso unkompliziert wie mit der Genua. Auch einhand. Ausprobieren!

Bergen:
1. Lee-Schot 1 m dichter setzen, als optimal
2. Luv-schot auf -> Spi-Baum geht bis zum Vorstag
3. Spi in den Windschatten vom Groß bringen (fällt zusammen)
4. Pinne festklemmen, Spi-Fallklemme auf, Fall 1/2 um die Genuawinsch auf dem Lee-Süll legen und mit nach Vorne nehmen.
5. Spi am Vorstag zu fassen kriegen ist easy, weil dort der Spibaum sitzt.
6. Fall fieren, dabei Spi an Deck holen.

4. - 6. sind mit etwas Übung in weniger als 2 min erledigt.

Also: Üben, das geht!

P.S. Ich habe jetzt noch eine Klampe am Mast, auf der ich auch das Spifall belegen kann. Das ist dann zum schnellen Bergen einfacher. Die Variante nutze ich, wenn etwas kritische Bedingungen u.u. eine ganz schnelle Bergung erforderlich machen. (Böiger Wind, enge Fahrwasser...)
Reißt der Flieger ab vom Mast,
Segelst Du mit großer Hast

HeinrichDerSeefahrer
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Ich mach das einhand (ohne Autopilot) etwas anders...

Beitrag von HeinrichDerSeefahrer » 29. Jan 2006, 12:39

Molly hat geschrieben:Hallo jochen!


Anfänger rollen am Besten die Fock weg, beim Regattasegeln lassen wir die Genua beim Setzen stehen!

4. Spifall anschlagen, Schoten anschlagen, sind meist farblich rot und grün gekennzeichnet.
!!! Die voraussichtliche Luv-Schot unbedingt vor dem Vorstag herführen!!!

5. Spibaum am Topnant etwa waagerecht absenken, Niederholer belegen.

6. Luvschot in der Nähe des Schothorns einpieken. Nicht ins Auge!!!! Den Grund hierfür erkläre ich beim Bergen!

7. Luvschot soweit dichtholen, dass sie nicht gegen das Vorstag drücken kann.


Bergen:

1. Genua oder Fock ausrollen bzw. setzen, damit der Druck aus dem Spi genommen wird oder wieder platt vom Laken abfallen. Genua setzen ist aber wirkungsvoller, und sie stört dich auch nicht.

2. Spi am Unterliek fassen und langsam am Vorstag vorbei aufs Deck ziehen und gleichzeitig möglichst in den Sack stecken. Der Steuermann fiert das Spifall und die Schoten langsam nach

3. Schoten abschlagen und für späteren Gebrauch am Bugkorb anschlagen

4. Jetzt erst den Baumniederholer lösen und Spibaum abschlagen.

Würde der Spibaum im Schothorn eingepiekt oder zwischen Schothorn und einem Knoten, kannst Du den Spi nur bergen, wenn Du erst den Baum wegnimmst! Das kann in stürmischen Phasen zu chaotischen Situationen führen. Meine geschilderte Art haben wir in 10-jähriger Regattazeit immer wieder praktiziert und nie Probleme damit gehabt.

Der Nachteil hierbei ist der, dass der Baum schon mal gelegentlich ein bißchen nach mittschiffs rutscht. Das macht aber nichts!


Viele Grüße Molly
Also ich mache da einiges einhand etwas anders...

SETZEN:
1. Ich habe keine Rollgenua. Die Genua ist bei mir zum setzen des Spi geborgen, sonst habe ich zuviel Tüddel auf dem Vorschiff, und zu wenig Sicht nach vorne. Außerdem sonst bei einer Boe Handlingsprobleme.

2. Leeschot und Fall anschlagen.
3. Spibaum am Mastbeschlag einpicken, dabei Bügel oben, öffnerbolzen unten. kanner nicht von selber da raus.
4. Spibaum auf die Reling/den bugkorb legen (Aufholer gefiert) und in die Wirbel-Öse des Schotkarabiners einklinken. (kann die Schot auch nicht abhanden kommen.)
5. Luv-Schothorn vom Spi außen ums Vorstag zum Spibaum aus dem Sack ziehen, Schotkarabiner in die Öse des Spi-Schothorns einklinken.
(Alles liegt friedlich vorm Vorstag auf dem Bugkorb.) - > alles klar zum Setzen

6. Spibaumaufholer etwas anlupfen, dass der Spibaum von der Reling/dem Bugkorb frei kommt. (Einen Spibaum-Niederholer habe ich nicht...)
7. Leeschot belegen.
8. Luvschot soweit dicht setzen, dass der Spibaum gerade nicht gegen das Vorstag pendeln kann.
9. Auf Raumschot-Kurs gehen, Spi hoch. Dabei füllt er sich ohne dass die Gefahr besteht, dass er sich ums Vorstag wickelt (wie es bei genau achterlichem Wind sein kann...).

Sonst weiter wie beschrieben...

Joern
Reißt der Flieger ab vom Mast,
Segelst Du mit großer Hast

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